Kinder trauern anders
Wer Kinder bei ihrer Trauer begleitet, merkt schnell,
dass sie oft anders trauern als Erwachsene. Sie stellen
Fragen, haben ihre eigenen Vorstellungen und wissen
meist sehr gut, wie sie mit ihrer Trauer und ihrem
Verlust umgehen wollen. Wichtig für Erwachsene ist
es, die Fragen ihrer Kinder offen und ehrlich zu beantworten
und sie in ihrem Tun zu unterstützen.
Beziehen Sie ihre Kinder in alles hinein. Erschrecken
Sie aber nicht über Reaktionen, die Sie so nicht erwartet
haben, z. B. Schweigen, sich Zurückziehen
oder auch heftige Wutausbrüche. Kinder sind meist
direkter in ihren Gefühlen, offener in ihren Fragen
und weniger zurückhaltend in ihren Emotionen als
viele Erwachsene.
Zu Ostern kam ein jüngeres Ehepaar mit seiner sieben
Jahre alten Tochter zu uns, die uns stolz ein
bunt bemaltes, aufklappbares Osterei zeigte. Im Innenteil
stand: "Liebe Uroma, ich wünsche Dir schöne
Ostertage, auch wenn Du jetzt nicht mehr bei uns bist.
Uropa wünsche ich das auch. Ich hoffe, dass es Euch gut
geht. Eure Mina."
Die Familie war auf dem Weg zum Friedhof, um das
Geschenk ans Kreuz zu legen. Minas kleinere Schwester
hatte damals bei der Zeremonie in der Trauerhalle
für ihre Urgroßmutter einen Tanz aufgeführt. Die Urgroßeltern
der kleinen Mädchen waren vor knapp einem
halben Jahr innerhalb von 14 Tagen verstorben.
Leben und Tod liegen für Kinder nicht so weit auseinander,
und oft können sie Erwachsenen helfen,
besser mit ihrer Trauer zurecht zu kommen. Wir beschäftigen
uns mit Kindern und beziehen sie, soweit
Eltern das möchten, mit in Gespräche und Vorbereitungen
ein. Ich persönlich habe von der ernsthaften
Trauer und auch der Trauerbewältigung von Kindern
vieles gelernt.
|